Suchtverhalten bei Kindern und Jugendlichen

Suchtverhalten bei Kindern und Jugendlichen

Ein Thema, das immer wieder stärker in den Vordergrund tritt, ist das Suchtverhalten bei Kindern und Jugendlichen. Viele Erwachsene setzen Sucht meistens mit Alkohol und Nikotin gleich, was beileibe zu kurz gesprungen ist. Zu den Ausprägungen von Sucht gehören auch Internet & PC, Essverhalten, übermäßiger Sport usw.

Gerade bei Kindern und Jugendlichen beobachten die Fachleute eine immer deutlichere Zunahme von Übergewicht. So berichtet zum Beispiel Wolfgang Siegfried, ärztlicher Leiter des Rehazentrums Insula in Bischofswiesen, dass der durchschnittliche BMI bei einer Aufnahme in seinem Zentrum vor 23 Jahren noch bei 36 lag, mittlerweile liegt er bei 43.

Suchtverhalten: Das Iso-Syndrom als unheilige Tria

Wolfgang Siegfried hat aufgrund seiner Erfahrung einen neuen Begriff geprägt: Das Iso-Syndrom. Das I steht für Internetsucht, das S für schulvermeidendes Verhalten und das O für Obesitas (krankhaftes Übergewicht). Nach seiner Erfahrung gehören die drei Begriffe fest zusammen.

Wenn ein Kind stark übergewichtig ist, zieht es sich gerne zurück und zeigt sich nicht mehr in der Öffentlichkeit (Schule). Es muss sich dann im Rückzug irgendwie beschäftigen (Internet) – insofern macht der Begriff Iso nach meiner Erfahrung sehr viel Sinn.

Doch nicht nur Kinder- und Jugendliche leiden unter den Auswirkungen des Iso-Symptoms. Die ganze Familie wird hier in Mitleidenschaft gezogen, da diese sehr oft ihren Lebensstil an den gezeigten Verhaltensweisen des betroffenen Kindes anpasst.

Ein möglicher Weg aus dem Iso-Syndrom ist es, dass wir zusammen in den ersten Stunden die Familiensituation ergründen, die Familienhistorie näher beleuchten um gemeinsam etwas mehr Klarheit für die Ursachen des Verhaltens zu bekommen. Denn erst dann macht es Sinn, sich um das betroffene Kind oder Jugendlichen zu kümmern.

Wenn die Ursachen nicht bekannt sind, lohnt es sich nach meiner Überzeugung nicht, an den gezeigten Symptomen zu arbeiten, weil immer wieder die Gefahr besteht in das Verhalten zurück zu fallen.

Deshalb habe ich gerade für die ersten Stunden gerne die Familie am Tisch, meistens erst einmal Mutter und Vater und dann auch die übrigen Geschwister, sofern es die gibt, bevor ich mit dem betroffenen Kind oder Jugendlichen arbeite.

Buchtipp: Wolfgang Siegfried, Tim Wanders „Zocken, futtern, Schule schwänzen – das Iso-Syndrom“

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