Langanhaltende Depressionen, die im Zusammenhang mit einschneidenden traumatischen Erlebnissen wie dem Verlust eines Ehepartners, toxischen Beziehungen, Unfällen oder schweren Krankheiten stehen, erfordern eine behutsame und gleichzeitig tiefgreifende therapeutische Begleitung. Aus psychotherapeutischer Sicht ist es wichtig, zunächst die depressive Symptomatik nicht nur als „Krankheit“ zu sehen. Sondern auch als Ausdruck von Überforderung, Trauer oder ungelöster Traumareaktionen zu verstehen. Depression kann dabei eine Form innerer Erstarrung sein. Ein Schutzmechanismus des Nervensystems, um Schmerz und Überlastung auszuhalten.
In der Therapie ist es zentral, Sicherheit und Stabilität aufzubauen. Der Therapeut bietet einen Raum, in dem Betroffene ihre Gefühle ohne Bewertung äußern können. Dies beinhaltet sowohl die Arbeit mit Trauer und Verlust als auch die Auseinandersetzung mit Gefühlen von Schuld, Wut oder Hilflosigkeit, die häufig Teil traumatischer Erfahrungen sind.
Depressionen – Sicherheit und Stabilität sind wichtige Anker
Ein wichtiger Ansatzpunkt liegt in der körperorientierten Traumatherapie. Methoden wie Somatic Experiencing unterstützen dabei, im Nervensystem gebundene Überlebensreaktionen – etwa Erstarrung, Übererregung oder innere Leere – behutsam zu lösen. Betroffene lernen, wieder Zugang zu Empfindungen, Energie und Lebendigkeit zu finden, ohne von der Intensität der Gefühle überwältigt zu werden. Diese Regulation auf körperlicher Ebene schafft eine Basis, auf der psychische Heilung nachhaltiger erfolgen kann.
Parallel kann die Arbeit mit NARM (Neuroaffektives Beziehungsmodell) oder anderen beziehungsorientierten Verfahren helfen, alte Muster von Selbstabwertung oder Anpassung bewusst zu machen, die aus früheren belastenden Beziehungen stammen. Ziel ist es, im Hier und Jetzt neue Formen von Selbstkontakt und Selbstwert zu entwickeln.
Darüber hinaus sind ressourcenorientierte Methoden wesentlich: die Förderung von sozialen Kontakten, sinnstiftenden Aktivitäten, kreativen Ausdrucksformen und Bewegung. Sie helfen, den Blick über das Trauma hinaus auf Möglichkeiten von Lebensfreude und Selbstwirksamkeit zu öffnen.
So entsteht ein ganzheitlicher Prozess: Die depressive Erstarrung wird Schritt für Schritt gelockert, der Körper findet zurück in Regulation, und die Psyche kann neue Hoffnung, Verbindung und Lebensenergie entwickeln.